Im Januar besuchte die Klasse 12 s/n im Rahmen des Deutschunterrichtes mit Frau Dr. Konejung die Premiere des Theaterstückes "Der Große Gatsby" in Hamburg. Hierzu zwei verschiedene Rezensionen:

Zum Anbeißen süß, aber im Nachgeschmack bitter

Zu Tisch bringen wollte die deutsche Dramatikerin Rebecka Kircheldorf nichts. Stattdessen versuchte sie die berühmte amerikanische Geschichte "Der große Gatsby" auf die Bühne zu bringen.

Gleich zu Beginn beeindruckte der Kontrast zwischen dem historisch prunkvollem Theater dem “Deutschen Schauspielhaus” in Hamburg und dem noch unberührten Bühnenbild mit den überdimensional, großen, glitzernden Buchstaben: GATSBY. Sollte man vergessen haben, dass es sich hier um ein populäres sehr amerikanisches Stück handelt, wurde dies durch die Buchstaben, die die Merkmale des "American Dream" widerspiegeln: "groß", "reich", "glitzernd" und "unnatürlich", wieder in Erinnerung gerufen. Genau diesen Traum durchlebt Gatsby, der denkt, dass man sich mit Geld alles kaufen kann, wird aber dann bitter enttäuscht und bemerkt, dass es den “American Dream” gar nicht wirklich gibt.

Das reiche Leben der Amerikaner wird im Stück sehr gut dargestellt. Der Großteil ihres Lebens wird von wilden Partys bestimmt, auf denen sie mit ihrem Reichtum, den sie oft nur vorgeben zu haben, prahlen können. Diese faszinierenden Partys belebten das Stück für eine kurze Zeit. Eine einfache weiße Hauswand spuckte nach und nach zahlreiche Partygäste heraus, die gekonnt betrunken spielten, um dann wieder in der Wand zu verschwinden. Die eine wird beim Pinkeln erwischt, ein Paar streitet sich und jemand übergibt sich. Menschliches Verhalten, dass dem Stück ein wenig Sympathie verlieh, konnte man doch oft in einigen Situationen wiedererkennen. Es schienen mindestens 20 Schauspieler in dieser Szene mitzuspielen, dabei waren es nur 3-5, die in Windeseile beeindruckend ihre Kleidung sowie Charaktere wechselten. Dabei war die Kleidung der Protagonisten in der Szene, sowie das ganze Stück über, sehr gut gewählt, den 20er Jahren gerecht, glamourös, aber trotzdem modern und jeden Charakter unterstreichend.

Jedoch vertreiben große Partys, schnelle teure Autos, glamouröse Kleidung und edle Getränke die Zeit nur für eine Weile, dann macht sich Langeweile breit und mit dem immer wieder wiederholten Satz: “Was sollen wir denn nur tun?”, überträgt sich diese nicht verschwinden wollende Langeweile aufs Publikum und wirkt nach einiger Zeit nervig.

So war die erste Hälfte durchzogen von wenig Handlung und schon nach kurzer Zeit vorbei. Es war eher ein 45 minütiges Darstellen der Protagonisten und ihrer Art zu leben, sodass sich keinerlei Spannung aufbauen konnte. So ging man in die Pause mit der Hoffnung auf eine bessere zweite Hälfte.

Die Hoffnung sollte sich erfüllen. Verschiedene Szenen führten endlich zueinander und ergaben für den Zuschauer Sinn. Aber erst als die Liebesgeschichte von Gatsby und Daisy ins Spiel kam, baute sich sogar ein wenig Spannung auf. Daisy ist Gatsbys große Liebe, die er auf Grund seines gesellschaftlich niedrigen Standes nie haben konnte. Durch seinen späteren Reichtum versucht er Daisy zurück zu kaufen, indem er ihr ein riesiges Tortenhaus mit unzähligen Zimmern baut. Eine gigantische, überdimensionale Sahnetorte steigt aus dem Bühnenboden herauf und beeindruckt das Publikum mit seinem zum Anbeißen leckerem, süßen Aussehen, die wohl beste Szene im ganzen Stück und ein Traum jeden verliebten Mädchens. Doch der Traum endet im Alptraum und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Die wahre Liebe siegt nicht und überhaupt ist die Liebesgeschichte viel zu kurz gehalten. Erhofft man sich nach dem Roman und dem Film mit Robert Redford vielleicht mehr Liebesdrama, wird man von der Theaterinszenierung sehr enttäuscht, für Nichtkenner jedoch bestimmt einen Besuch wert.

Trotz wenig Spannung und viel teurer unsinniger Nichtstuerei sollte jedoch eine wichtige Message im Publikum ankommen sein: Freunde und Liebe sind mit Geld einfach nicht zu kaufen!

(Text: Ragna Klaumann, Katharina Rix)

Knallige Farben auf langem Weg

Die Theaterinszenierung von M. Heinzelmann des "Großen Gatsby" wirkte pompös, verblasste aber schnell mit Schall und Rauch ins Nichts.

Am Anfang des Stückes wird der Zuschauer in verschiedene Äußerungen von Wortbruchstücken geworfen. Ein hektischer Charakter eilt auf die Bühne, der sich als Nick Carraway herraustellt. Durch seine komödiantische Einführung, in Form einer Selbstdarstellung, wird das Interesse des Zuschauer erregt, sodass bei diesem eine hohe Erwartungshaltung gleich zu Anfang des Stückes an den gesamten Verlauf dessen entsteht. Abgesehen von der schauspielerischen Leistung Nick Carraways wurde jener Erwartungshorizont nicht im Ansatz erfüllt. Es gab wenig humoröse Teile, die das öde Bühnengeschehen aufbrachen und dem Zuschauer ein Aufatmen ermöglichten. Der bis hier hin wirklich einzig positiv visuelle Charakter des Theaterstückes zeichnete sich in den wirklich hervorragenden Kostümen ab, die den Stil der 20er Jahre trafen. Große Schulterpolster und lange Cocktailkleider waren schön anzusehen. Jedoch war die Pause nach der inhaltlich faden Reise bis hier hin mehr als nötig.

Nach einer kleinen Stärkung stürzte man sich mit neuer Hoffnung zurück ins Gefecht. Schnell wurde klar, dass auch der zweite Teil, dank emotionsloser Wortwechsel, bis zu einem bestimmten Punkt nicht viel aufregender werden sollte. Hauptfaktor hierbei war die distanzierte schauspielerische Darbietung. Sowie die Akteure ordentlich nebeneinander auf Sonnenliegen drapiert wurden, so ordentlich war auch der Inhalt ihrer Gespräche. Der Interaktion fehlte es gänzlich an nonverbal kommunikativen Bezügen, sodass auch jeder Schauspieler für sich alleine hätte auftreten können.

Nach all den negativen Bewertungen konnte neben Nick Carraway noch ein weiterer Charakter überzeugen, indem er seiner Rolle Authenzität und charismatische Würze verlieh. Tom Buchanan erzeugte bereits bei seinem ersten Auftreten eine antipatische Haltung beim Zuschauer, durch eine widerliche, schleimige Art und eine selbstherrliche Eigendarstellung. Durch diese Präsenz war er einer der wenigen Schauspieler, die überzeugten.

Sowie die Schauspieler den Zuschauern nur wenig Freude brachten, so traurig war auch das Bühnenbild. Bis auf die letzten 45 Minuten, gab es nur einen großen, glänzenden Schriftzug im Hintergrund, der die Buchstaben „Der Große Gatsby“ formte. Umher war das Bühnenbild fahl und kahl. Wie kurz zuvor erwähnt, geschah zur letzten Dreiviertelstunde der radikale Umbruch von einer visuell minimalen Stimulation auf ein Maximum. Durch eine enorme Torte, verziert mit Marienkäfern, die in einer übertriebenen Größe auf dieser platziert waren, wurde das Haus des ach so großen Gatsby inszeniert. Wo zuvor die Augen vergeblich nach Unterhaltung lechzten, war nun eine Überstimulation, sodass der Zuschauer durch eben jenen Umbruch nicht mehr wusste, wo ihm der Kopf stand.

Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass das Stück für potentielle Zuschauer zu empfehlen ist, die sich im Voraus über die Geschichte informieren. Unwissenden wird es wohl gehen, wie im Artikel beschrieben.

(Text: Cedric Alexander John Horstmann, Tim Johannes Fridolin Warthemann)

     

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